Aus "52 Wochen-Impulse" von Emanuel Keller

15. KW - Einmal werden wir verstehen...

 

Jesus gab ihm zur Antwort: "Was ich tue, verstehst du jetzt nicht, aber später wirst du es begreifen." - Johannes 13,7

 

 

Petrus ist an diesem letzten Abend, den die Jünger mit Jesus verbringen, außer sich: Vergeblich hat man darauf gewartet, dass einer der Jungen, "Rangniedrigeren", den Dienst der Fußwaschung vorgenommen hätte. Und nun zieht der Meister selber die Schürze an, holt Wasser, kniet sich vor jedem Jünger nieder und wäscht ihm die Füße. Petrus kann das nicht akzeptieren und wehrt sich. Doch Jesus besteht darauf, auch ihm diesen Dienst zu erweisen, und als Erklärung dafür sagt er ihm einfach: "Jetzt verstehst du nicht, was ich tue; aber später wirst es einmal begreifen."

 

"Jetzt kannst du mich nicht verstehen", - ich denke, das bezog sich nicht allein auf die Fußwaschung, sondern auf alles, was in jener Nacht und am folgenden Tag noch geschehen sollte. Warum ließ Jesus sich verhaften? Warum durften ihn die Jünger nicht mit ihren Schwertern freikämpfen? Warum ließ er sich zum Tod verurteilen ohne die Möglichkeit der Verteidigung zu nutzen? Warum musste er unter größten Schmerzen sein Leben am Kreuz lassen?

 

Später konnte Petrus dies alles verstehen; und auch wir heute verstehen und glauben es von Herzen. Und doch erleben auch wir manchmal Situationen, die wir nicht begreifen. Wir glauben ja nicht, dass wir machtlos einem unberechenbaren Schicksal ausgeliefert sind, sondern sind der Überzeugung, dass alles, was an uns herankommt, wenn nicht von Gott selber gewirkt, dann doch zumindest von ihm zugelassen ist. Und so können wir ihn rasch einmal nicht verstehen und geraten durcheinander.

 

Bist vielleicht gerade du in einer solchen Situation? Dann hör doch Jesu liebevolle Aussage für dich ganz persönlich: "Was ich tue, kannst du jetzt nicht verstehen. Quäle dich nicht ab mit dem Versuch, es zu ergründen. Meine nicht, Ich wolle dich mit dieser Zulassung für etwas bestrafen! Die Strafe liegt schon längst auf mir, und du darfst Frieden haben. Vertraue mir einfach, dass ich alles im Griff habe. Der Tag kommt, an dem du rückblickend alles verstehen und mich für das preisen wirst, was dich jetzt irritiert."

 

Ja, später werden wir feststellen, dass Jesus an uns keinen Augenblick anders gehandelt hat, als aus unendlicher Liebe und großer Weisheit. Seine Gedanken über uns sind höher als unsere Gedanken. Es sind aber auch Gedanken des Friedens und nicht des Leides, um uns ans Ziel zu bringen (Jes. 55,8; Jer. 29,11). Ja, später werden wir den Herrn dafür loben, dass seine Wege mit uns richtig waren, und dass seine treue Hilfe uns immer durchgetragen hat.

 

Und heute? Wollen wir ihn nicht schon heute dafür preisen, dass er keine Fehler macht und uns alles zum Besten dienen muss? Wollen wir uns nicht schon heute mit seiner Zusage trösten lassen, dass uns nichts und niemand von seiner Liebe scheiden kann (Rö. 8,31-39)? Wollen wir ihn nicht mit unserem Vertrauen ehren, dass er alles, was uns beschäftigt und überfordert, zu einem guten Ende führen wird - und das nicht zu spät, sondern so, dass wir es noch ertragen können (Ps. 57,3; 1.Kor. 10,13)?

 

Gerade in ausweglos scheinenden Situationen wollen wir doch im Glauben den Refrain der Psalmen 42/43 beten:

 

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

 

 Andacht für die 15. Kalenderwoche